Pressemitteilung des DGB-Kreisverbandes Darmstadt-Dieburg vom 21.04.19

Attraktiver ÖPNV für Fahrgäste und Fahrpersonal

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Stau holen mit Zug, Stadt-Land-Bahn, Tram und Bus – Gersprenztalbahn erhalten und reaktivieren

Darmstadt / Darmstadt-Dieburg, 11. April 2019

Eine deutliche Verbesserung des Schienenverkehrs durch Erhalt und Reaktivierung der Bahnstrecken von Groß-Bieberau nach Reinheim sowie von Groß-Zimmern über Roßdorf nach Darmstadt, beide mit Direktfahrten nach Frankfurt: Das ist für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Kreis und Stadt ein wichtiger Baustein zur „Abwendung des täglichen Verkehrsinfarkts in Südhessen“, wie die beiden Vorsitzenden in Kreis (Iris Gürtler) und Darmstadt (Martina Hübscher-Paul) erklären. Beide stellen die DGB-Stellungnahme zum Entwurf des Dadina-Nahverkehrsplans vor. Der DGB fordert ein 400-Euro-Jahresticket für Darmstadt und Umgebung, ein 800-Euro-Jahresticket für den Gesamtkreis inkl. Darmstadt sowie 1200-Euro-Jahresticket für den RMV.

Auf 10 Seiten formulieren die Arbeitnehmervertreter konkrete Ziele für guten ÖPNV – mit zahlreichen Internet-Links zu guten Beispielen in Deutschland und Europa. Großen Wert legt der DGB auf die Tariftreue, die Anrechnung der Betriebszugehörigkeit bei Betreiberwechseln und die Ausbildung des Fahrpersonals: „Der Busfahrerstreik im Januar 2017 war der Wendepunkt. Mittlerweile ist der Politik klar, wie wichtig motiviertes Personal in Bus, Straßenbahn und Zug ist.“

Nur mit Reduzierung des motorisierten Verkehrsaufkommens können die verbindlichen Klimaziele auch lokal erreicht werden: Seit 2010 steigt der Verkehrsenergiebrauch im Kreis unaufhaltsam an.

Sammelbusse und die Verlängerung der Darmstädter meterspurigen Straßenbahn Richtung Ostbahnhof und darüber hinaus (zu einem Pendlerparkhaus oder Groß-Zimmern) sieht der DGB nicht als Lösung an, da die die Arbeitsplatzschwerpunkte in Darmstadt und Frankfurt so nicht umsteigefrei erschlossen werden. Der Gewerkschaftsbund als Mitglied des „Regionalen Schienenbündnisses“ setzt auf den Ausbau der in den meisten Kommunen des Ostkreises vorhandenen Eisenbahn und die Reaktivierung der Bahnstrecken nach Groß-Bieberau und Groß-Zimmern mit Direktzügen ohne Umstieg nach Darmstadt Nord und Frankfurt sowie bei Groß-Bieberau zur TU-Lichtwiese. Die Dadina-Untersuchung zur „Kombi-Lösung“ beurteilt der DGB als „wissenschaftlich nicht haltbar und durch Umsetzung in anderen Städten widerlegt“ und fordert daher ein normalspuriges Stadt-Land-Bahn-System nach Vorbildern (in Kassel, Chemnitz, Karlsruhe und Roßdorfs Partnerkommune Vösendorf), vom Darmstädter Friedensplatz nach Mühltal, Ober-Ramstadt, Reinheim und Groß-Bieberau sowie Roßdorf und Groß-Zimmern.

Für die Erschließung von Heimstättensiedlung, Konversionsflächen und evtl. Weiterstadt hingegen ist die Straßenbahn gut geeignet. Alle Straßenbahnhaltestellen im Darmstädter Stadtgebiet plus Griesheim sollen Mo-Sa zwischen 6 und 20 Uhr mindestens im 10-Minuten-Takt bedient werden, auch die Umsteigehaltestelle Böllenfalltor. Dringend erforderlich ist der barrierefreie Umbau der Umsteigehaltstelle Böllenfalltor, mit einer Busspur ab Mühltal.

Den barrierefreien Umbau von Nord- und Südbahnhof sowie deren Vorplätzen plus Kranichstein und Ostbahnhof muss die Stadt ebenso angehen wie eine räumliche Verknüpfung in Kranichstein zwischen Bahnhof und Straßenbahnhaltestelle. Im Landkreis sieht der DGB Bedarf u. a. in Wiebelsbach und Hergershausen sowie für neue Bahn-Haltepunkte in Sickenhofen und Weiterstadt Ost.

Die Straßenbahn-Schnelllinie von Alsbach und Seeheim nach Darmstadt möchte der DGB erhalten. Die Kombination der Verkehrsmittel möchte der DGB verbessern mit Radboxen an Bahnhöfen auch für Elektrofahrräder.

Die vollständige DGB-Stellungnahme ist hier einsehbar:

https://suedhessen.dgb.de/presse/++co++05cc9cf6-3a7f-11e9-b616-52540088cada

Hintergrund zur Anbindung von Roßdorf und Groß-Zimmern (auch wenn diese Kommunen nicht „der Ostkreis“ sind – der ist weitaus größer und fast alle Kommunen über 10.000 Einwohner haben bereits einen normalspurigen Bahnanschluss, die meterspurige Straßenbahn also ein Fremdkörper):

·       Weder Sammelbusse noch als „Mobilitätsstation“ etikettierte Pendlerparkhäuser als auch eine meterspurige Straßenbahn nach Groß-Zimmern finden die Zustimmung des DGB. Die Ablehnungsgründe sind einfach:

·       Ziel vieler Berufspendler sind die Industriegebiete im Darmstädter Norden, Westen und in Frankfurt. Mit Sammelbus oder Straßenbahn sind diese Ziele nur mit Umstieg oder zeitaufwendiger Durchquerung der Darmstädter Innenstadt erreichbar, deren ÖPNV-Haltestellen bereits 2019 an der Kapazitätsgrenze ist.

·       Mit Sammelbussen verlieren viele Kommunen (Groß-Bieberau, Fischbachtal, Münster, Eppertshausen, Ober-Roden und Ober-Ramstadt) die heute im täglichen Taktverkehr verkehrenden direkten Busse nach Darmstadt. Auch aus dem Odenwaldkreis-Teil des Gersprenztals soll es keine Direktfahrten nach Darmstadt mehr geben, wie aus dem Sammelbus-Studie der Dadina ersichtlich ist und in der DGB-Stellungnahme auf Seite 8 grafisch leicht verständlich aufbereitet ist. Das Platzangebot in den Sammelbussen wäre geringer als im 2019 gefahren Fahrplan.

·       Auf eine meterspurige Straßenbahn sollen lt. Dadina-Studie alle Buslinien aus dem Ostkreis „gebrochen“ werden: Allein der Begriff verdeutlich die Nachteile: Aus Groß-Bieberau, Fischbachtal, Münster, Eppertshausen, Ober-Roden, Ober-Ramstadt, Groß-Umstadt und Dieburg gäbe es keine direkten Buslinien nach Darmstadt mehr. Die Straßenbahn kann aufgrund der Netzkapazität maximal im 7,5-Min-Takt fahren, bietet weniger Platz als die Busse 2019 und ist daher ab dem ersten Betriebstag an der Kapazitätsgrenze. Eine Grafik dazu findet sich auf Seite 5 der DGB-Stellungnahme.

·       Würde die Darmstädter Straßenbahn an einem Pendlerparkhaus enden, müssten zusätzlich noch die Roßdörfer und Groß-Zimmerner zwangsweise umsteigen.

 Leitseite

( http://tinyurl.com/190411dgbpm )